DESIGNED BY MIXWEBTEMPLATES

Ev.-Luth Kirchgemeinden Hartenstein und Thierfeld

Kirchgasse 3, 08118 Hartenstein    Tel.: 037605/5114      E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

- Pfarrer Gräßer -  Tel.: 4152      E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Hartenstein, 29.7.21

Wochenbrief  31. Woche  2021

9. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Schwestern und Brüder,

woher kommt das Böse in uns Menschen?

Meine Beschäftigung mit der Begebenheit von Kain und Abel, hat mich auf die heute ganz unmoderne Lehre von der „Erbsünde“ gebracht.

Über die sogenannte „Erbsünde“ reden wir heute auch als Christen fast überhaupt nicht mehr. Gemeint ist damit, dass sich Adam und Eva von der Schlange haben verführen lassen und dass sie sich damit gegen Gott gestellt haben. Doch Gott ist gnädig und vernichtet die beiden nicht, wie er es eigentlich angekündigt hatte, sondern er vertreibt sie aus dem Paradies, aus dem unmittelbaren Leben mit Gott. Seither gelten alle Nachkommen von Adam und Eva, und wir Menschen alle, als Sünder. Doch das sehen viele bis heute nicht ein. Viele sagen: ich bin doch ein guter Mensch! Jeder Mensch hat Fehler, ich auch. Aber deswegen bin ich doch kein Sünder. Und viele sehen es auch nicht ein, dass Jesus für uns hat sterben müssen.

Seit Adam und Eva aber sind wir Menschen Sünder, weil wir in der Distanz zu Gott leben. Das ist die eigentliche Sünde. Sünde, das ist nicht in erster Linie unsere Schuld, sondern es ist die Folge davon, dass wir in Distanz zu Gott leben. Wegen der Distanz zu Gott sündigen wir. Neid und Missgunst, Ellenbogenverhalten, Zwietracht und Hass, das alles kommt in uns auf, weil wir in der Distanz zu Gott leben. Und in dieser Distanz leben wir, ob wir das wollen oder nicht, seit Adam und Eva.

Wenn wir das akzeptieren würden, dann wäre das für uns eine große Entlastung.

Die Lehre der „Erbsünde“ macht uns nicht einfach pauschal zu schlechten Menschen. Nein. Sie entlastet uns. Wir leben in der von Gott abgefallenen Welt. Wir sind ein Teil dieser Welt. Und deshalb sind wir Sünder. Aus eigener Kraft können wir zwar dagegen an-strampeln und uns anstrengen gute Menschen zu sein, aber wir schaffen es nicht.

Wie gut, dass Gott der gefallenen Welt nicht den Rücken gekehrt hat. Im Alten Testament nicht, beim Volk Israel, und auch mit Jesus hat Gott deutlich gemacht, dass ER sich um das Sündenproblem kümmert. Mit Jesus hat Gott die Sünde besiegt: die Distanz zu Gott. Jeder, der mit Jesus lebt, bleibt Sünder, als Mensch in dieser gefallenen Welt. Aber er ist zugleich gerecht gemacht durch Jesu Tod am Kreuz. In der Taufe bekommen wir das zugesprochen. Da wird das an uns vollzogen. Taufe heißt: du bist gerettet. Und nun darfst du so leben, als Gotteskind, indem du in deinem Alltag mit Jesus, deinem Herrn lebst, in deinem Familienalltag, auf Arbeit, in der Freizeit, einfach überall! Die Sünde hat keine Macht mehr über dich! Ob wir diese Realität Gottes an uns heranlassen? Ob wir Vertrauen zu Gott fassen, dass ER Recht hat, mit seiner Sicht auf uns? Dann haben wir den Sieger über die Sünde auf unserer Seite! Und mit IHM lässt sich‘s leben!

Als anschauliches Beispiel wird auf den ersten Blättern der Bibel von Kain und Abel berichtet, den Kindern von Adam und Eva: 1 Mose 4,1-16:

1 Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mithilfe des HERRN. 2 Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann. 3 Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes. 4 Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, 5 aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. 6 Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? 7 Ist's nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. 8 Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. 9 Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? 10 Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. 11 Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. 12 Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden. 13 Kain aber sprach zu dem HERRN: Meine Strafe ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte. 14 Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir's gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet. 15 Aber der HERR sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände. 16 So ging Kain hinweg von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.

Konkurrenz unter Geschwistern, eine alltägliche Situation. Woher kommt sie? Woher kommt das Streben in uns Menschen, immer besser und größer und schöner und erfolgreicher zu sein? Ich finde, es hängt mit der „Erbsünde“ zusammen. Die steckt uns ganz tief in den Knochen.

Doch Gott kümmert sich um uns Menschen. Er nimmt das Opfer von Abel, dem Ackerbauern an.

Abel findet Gnade bei Gott.

Aber von Kain heißt es: Gott nahm sein Opfer nicht an.

Gott sieht bei Kain und bei Abel das Opfer und die Person an („Abel und sein Opfer“/“Kain und sein Opfer“). Warum haben die beiden nicht miteinander geopfert? War da Konkurrenz? Wie sah es in den Herzen der beiden aus? Wollte der eine größer sein als der andere? Wenn Gott das Herz mit sieht, dann weiß er um die Beweggründe für das Opfer. Wahrscheinlich war die Haltung von Kain so, dass er Gott gegenüber dankbar war, aber dass er sich nicht viel Mühe mit dem Opfer gegeben hatte: „Früchte des Feldes“. Bei Abel waren es „Erstlinge seiner Herde und Fett“, ein Opfer vom Besten, das er besaß. Wahrscheinlich hat Gott diesen Unterschied in der Herzenshaltung gesehen.

Wie ist unser Herz Gott gegenüber eingestellt?

Und als Kain bei Gott nicht den gleichen Erfolg hatte, wie sein Bruder, kommen Neid und Zorn in ihm auf. Die Bibel hält uns damit den Spiegel vor.

Wenn wir uns nicht wirklich und ganz bewußt Gott hingeben, und wirklich IHN meinen mit unserem Handeln und Leben, dann reißen uns Konkurrenz und Neid und Zorn gegen unsere Mitmenschen in den Strudel des Bösen.

Wir sind dafür anfällig, seit Adam und Eva.

Gott sieht, was sich bei Kain anbahnt. Und er ruft ihn auf, dass er auf Gott schauen soll. Doch Kain senkt in seinem Zorn den Blick nur auf sich selbst und seinen Schmerz. Er antwortet Gott nicht mal. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

Wir kennen solche Situationen, in denen auch wir den Blick auf Gott verloren haben, oder wo wir uns bewußt von ihm abwenden. Die Gefahr ist dann auch bei uns, dass das Unheil seinen Lauf nimmt, wenn wir nur mit unseren grüblerischen Gedanken allein bleiben.

Mit Jesus ruft Gott uns nicht nur warnend an, sondern mit Jesus handelt Gott stellvertretend für uns, als Versöhner, damit wir aus dem Strudel der Sünde herauskommen. Jesus steht uns dabei zur Seite. An IHN können wir uns wenden, wenn wir unser Leben richtig auf Gott ausrichten wollen. Lasst uns das tun in dieser neuen Woche.

 

Herzliche Grüße und eine behütete Sommerzeit           

Ihr/Euer Pfarrer Martin Gräßer