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Ev.-Luth Kirchgemeinden Hartenstein und Thierfeld

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Hartenstein, 18.6.21

Wochenbrief  25. Woche  2021

3. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest

 

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Schwestern und Brüder,

dass wir manchmal etwas verlieren, das kennen wir alle: Schlüsselbund, Geldbörse, wichtige Papiere. Wenn so etwas weg ist, dann geraten wir schnell in Unruhe, wenn nicht Panik.

Geht es Gott genauso? Kann er etwas verlieren, was ihm gehört? Eigentlich nicht. Und dennoch spricht Jesus mehrfach davon verlorenen Menschen. Mit 3 Beispielgeschichten erzählt Jesus davon, wie Gott verlorene Menschen sucht. Die ersten beiden sind das Bibelwort für diesen Sonntag:

Lk 15,1-10:

1 Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.
3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? 5 Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10 So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Die Geschichten sind klar und verständlich. Ich möchte gleich in die Übertragung einsteigen.

Jesus meint mit dem verlorenen Schaf und dem verlorenen Groschen, Menschen. Verlorene Menschen, gibt es sie? Wir reden manchmal davon, dass wir verloren sind.

Z.B. beim Computerspiel, wenn die Figur, die wir spielen, keine Chance mehr hat, und unweigerlich auf den Tod zugeht (weil so viele Feinde da sind, oder weil der Boden unter den Füßen weg ist und der Sturz ins Bodenlose beginnt). Oder auch im realen Leben, wenn wir keine Chance mehr sehen, vor einer Gefahr zu fliehen, die unser Leben bedroht, wie ein Gewitter vielleicht.

Oder wir reden von Hopfen und Malz, wenn keine Hoffnung mehr auf Besserung besteht.

Wir merken an unserer Sprache, dass verloren sein immer ganz nah mit dem absoluten Ende, mit dem Tod zusammenhängt.

1. Können wir Menschen wirklich so verloren sein?

Jesus sagt Ja.

Aber – es ist nicht so, dass Gott uns Menschen verliert, weil er nicht aufgepasst hat, oder weil er schusselig ist. Beim Schaf ist es so, dass sich das Schaf von der Herde entfernt hat. Es ist entweder absichtlich nicht weiter mit gelaufen, oder hat einen anderen Weg eingeschlagen. Und beim Groschen ist es auch so, dass er weggerollt sein muss.

Gott verliert Menschen nicht einfach. Sondern wir Menschen entscheiden uns, in Distanz zu Gott zu gehen. Im Hohenpriesterlichen Gebet spricht Jesus es aus: Joh 17,12: „Solange ich bei ihnen war, erhielt ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, und ich habe sie bewahrt, und keiner von Ihnen ist verloren außer dem Sohn des Verderbens, …“. Judas ist hier gemeint, der für Jesus einen anderen Weg vorgesehen hat, als Gott und der sich damit von Gott entfernt hatte.

Wenn wir uns von Gott entfernen, dann sind wir verloren. Nicht nur für Gott, sondern auch mit unserem ganzen Leben. Verloren, weil wir den verloren haben, der das Leben ist. Verloren, auch für die Ewigkeit, die kommt, wenn unser Leben hier in dieser Welt zuende ist. Das ist eine harte Wahrheit. Denn wir halten eine Distanz zu Gott normalerweise nicht für schlimm. Distanz zu Gott das ist für viele recht normal. Gott im frommen Bereich meines Lebens, ja, ok. Aber alles andere funktioniert ohne Gott ja auch ganz gut.

Doch wenn wir so leben, dann sind wir verloren. Wenn Gott auf Bereiche unseres Lebens keinen Zugriff hat, dann sind wir verloren. Bei Judas waren es nur 2 Bereiche seines Lebens: Geld und seine Vorstellung, wie er Jesus gern gehabt hätte. Sonst war er sicher ein feiner Kerl, oder ist zumindest durch Jesus ein feiner Kerl geworden. Aber er war verloren. Und er hat sich dann ja auch das Leben genommen. Auch heute gibt es Menschen, die in wenigen Bereichen ihres Lebens, das Leben ohne Gott leben. Sonst sind sie ganz feine Menschen. Aber die dunklen Bereiche, ohne Gott, die sind es dann, die in Selbstzweifel und manchmal auch in den Selbstmord treiben. Der Mensch fühlt sich verloren. Er sieht keine Möglichkeit zu einem Neuanfang mehr. In der Ehe, z.B. oder bei Pornogafie oder bei krummen Geschäften oder auch wenn jemand mit Absicht nur halb im Glauben lebt. Ich glaube, wenn wir Gottes Maßstäbe ganz streng an uns ansetzen, dann sind wir alle verloren. Dann haben wir alle keine Chance, mit Gott, mit dem, der das Leben ist, wirklich in Verbindung leben zu dürfen. Mindestens einen Abgrund ohne Gott hat mit Sicherheit jeder von uns. Und deshalb sind wir verloren. Wir fühlen das zu Recht in uns!

Gibt es nicht dennoch Hoffnung? Doch, wegen der besonderen Größe und Barmherzigkeit Gottes, schon.

Denn: 2. Gott gibt uns Menschen nicht auf!

Das macht Jesus mit den Beispielgeschichten deutlich. Wie der Hirte in der Beispielgeschichte, so ist Jesus der gute Hirte.

Ihm ist es nicht egal, ob von der großen Herde Einer/Eine fehlt. Er geht dem Verlorenen nach, als ob es sonst keine wichtigere Aufgabe gibt. Auch die Frau mit dem Groschen sucht mit all ihren Mitteln. Und so macht es Gott durch Jesus. Warum tut Gott das? Weil er uns Menschen liebt, jeden Einzelnen. Gott nimmt seine Verantwortung für uns wahr. Denn er hat uns ja geschaffen. Auch wenn wir gegen ihn sind. Auch wenn wir nicht mit ihm leben wollen. Auch wenn wir ihn täuschen und nur äußerlich als Christen erscheinen, damit wir im Ort einen guten Namen haben. Auch wenn wir wie in einer Wellenbewegung mit ihm leben, mal mehr, mal weniger mit ihm.

Gott will, dass wir nicht verloren gehen. Dass wir nicht irgendwo liegen bleiben, wie der Groschen unter dem Schrank, weil Gott ja unermesslich reich ist. Dazu nimmt Gott nicht nur die Gefahr der Nacht auf sich, wie der Hirte in der Beispielgeschichte. Sondern er gibt sein ganzes Leben hin, am Kreuz auf Golgatha, damit wir verlorenen Menschen gerettet werden.

3. Wie kann ich mich von Gott finden lassen?

Dass wir das wunderbare Handeln von Jesus auch mit uns heute in Verbindung bringen, dazu sucht Jesus uns bis heute auf. Da, wo wir sind, kommt er hin. Auch in dunkle Ecken, von denen keiner was wissen darf. Auch dahin, wo wir uns verletzt zurückziehen, damit uns keiner nochmal verletzt. Auch in die ausweglosen Situationen unseres Lebens. Gott kommt meist durch Menschen, die uns Jesus bezeugen, durch ihr Handeln und mit ihren Worten.

Die ganze Gemeinde Jesu, auch unsere Gemeinde, ist praktisch, (wie nach einem Erdbeben, der Suchtrupp), beauftragt von Jesus, dass Menschen gerettet werden. Für uns kommt es darauf an, ob wir uns auch finden lassen.Da geht es erst mal um das Hören auf die Rettungskräfte. Sie rufen und ich antworte. Ich beschäftige mich mit dem, was die Rettungskräfte sagen und ich versuche mich, so gut es geht, nach ihren guten Anweisungen zu richten.

Und dann geht es darum, dass ich mich von dem Ort der Verlorenheit weg bewege. Ich muss ihn verlassen, um gerettet zu werden. Ein neues Leben in der Gemeinschaft mit Gott ist angesagt. Will ich das?

Damit, dass der Hirte das gefundene Schaf nach Hause trägt, macht Jesus deutlich, dass ER uns Menschen trägt, nach Hause, in Gottes Herrlichkeit. Will ich das, dass Jesus mich trägt, mit den Lasten meines Lebens, mit meiner Schuld? Will ich mich IHM zumuten? Wenn ich gerettet werden will, dann schon. Genau das ist mit „Buße“ gemeint. Ich will das Leben ohne Gott aufgeben. Das heißt: mein Leben soll eine neue Richtung, jetzt mit Gott einschlagen. Und, ich mute mich mit der Last meines Lebens und allen Fehlern und allem Versagen Jesus zu. Er soll auch meine Last übernehmen.

Wir merken also, dass die Buße eine große und frohe Entlastung unseres Lebens bedeutet. So können wir uns von Gott finden lassen: Durch Jesus seinen Sohn und mit unserer Antwort, dass wir Jesus unsere Schuld überlassen und den Neuanfang in unserem Leben wollen.

 

Herzliche Grüße und eine behütete Zeit                  

Ihr/Euer Pfarrer Martin Gräßer