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Ev.-Luth Kirchgemeinden Hartenstein und Thierfeld

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Hartenstein, 22.01.21

Wochenbrief  4. Woche

3. Sonntag nach Epiphanias

 

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Schwestern und Brüder,

am vergangenen Donnerstag konnte seit langem wieder ein Gottesdienst im Stift stattfinden (nach einem positiven Schnelltest dort). Erhard Franke und ich haben den Dienst dort sehr gern getan. Ab der nächsten Woche können auch wieder die wöchentlichen Andachten sein. Wir sind sehr dankbar und die Bewohner auch!

Für diesen Sonntag ist das erste Kapitel des Buches Rut aus dem AT als Predigttext vorgeschlagen.

Wegen einer Hungersnot in Israel wandert die Familie von Elimelech und seiner Ehefrau Noomi aus ins Land der Moabiter. Bald danach stirbt Elimelech. Die beiden Söhne heiraten moabitische Frauen. Und nach 10 Jahren sterben auch die beiden Söhne. Noomi und ihre beiden Schwiegertöchter Orpa und Rut bleiben als Witwen zurück. Als Noomi hört, dass Gott seinem Volk in Israel gnädig war und die Hungersnot beendete, machte Noomi sich auf den Weg, wieder nach Israel. Orpa und Rut begleiteten sie. Aber Noomi redet mehrmals mit ihren Schwiegertöchtern. Sie will sie freigeben. Sie sind noch jung genug, um nochmal zu heiraten und eine neue Familie zu gründen.

Zuerst will keine von beiden umkehren, doch dann entschließt sich Orpa schweren Herzens, nochmal ein neues Leben in ihrer Heimat in Moab anzufangen. Rut aber bleibt bei Noomi. Rut 1,16+17:

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.“

Wieder einmal staune ich in diesem Kapitel über das Wirken Gottes in dieser Welt.

Gott gebraucht eine Hungersnot in Israel, damit eine Moabiterin in den Stammbaum von Jesus kommt.

Was für ein kompliziertes und weitsichtiges Handeln Gottes!

1. Gott gebraucht eine Hungersnot.

Bei Elimelech, der aus Bethlehem stammte, war es am Ende so, dass durch seine Söhne moabitische Frauen (Nichtjuden) in seine Familie kamen. Nach dem Tod der 3 Männer kam am Ende Rut, die Moabiterin mit nach Israel. Dort heiratete sie den Israeliten Boas und bekam mit ihm den Sohn Obed, den Großvater von König David.

Im Stammbaum von Jesus wird Rut, die Moabiterin erwähnt, (so, wie erstaunlicherweise auch noch Tamar, die vergewaltigt wurde, Rahab, die Hure aus Jericho, die die Kundschafter versteckt hatte und die Frau von Uria, mit der David den Ehebruch begangen hatte): Matthäus 1, 3+5+6.

Dabei war es zur Zeit Jesu, so, wie in vielen muslimischen Gesellschaften heute noch, dass der Stammbaum eines Menschen möglichst geradlienig sein soll und mit ehrenwerten Männern besetzt. Das war offensichtlich bei Jesus nicht so. Und genau das war Gottes Absicht! Weil Gott eine Beziehung zu allen Menschen hat und haben will.

Mit Rut wird, zeichenhaft, so früh in der biblischen Geschichte schon deutlich, dass Gott möchte, dass alle Menschen ihn finden sollen, auch aus anderen Völkern. (Genauso auch Menschen mit schlimmen Erfahrungen oder mit zweifelhaftem Hintergrund. Und natürlich Frauen, die damals normalerweise nicht in Stammbäumen auftauchten.)

Mit diesem verschlungenen Weg von Elimelech und seiner Frau Noomi hat Gott einen Plan. Den dürfen wir im Nachhinein erkennen. Es ist ein wunderbarer und weiter Plan und es sind wunderbare Erfahrungen die Gott da eingefädelt hat.

Das macht mich nachdenklich im Blick auf unsere aktuelle weltweite Lage mit Corona.

Gott hat die ganze Welt in seiner Hand. Und dennoch mutet ER uns diese Pandemie zu. Sie macht uns Angst. Was wird noch kommen? Wie wird die Zukunft aussehen? Werden wir unseren Lebensstandard verlieren? Wird eine Notzeit auf uns zukommen? Diese Gedanken gibt es. Die gab es sicher auch bei Elimelech und Noomi. Aus der Hungersnot heraus haben sie ihr Land verlassen.

Das müssen wir zum Glück nicht. Aber in vielen anderen Ländern findet ja die Flucht aus der Heimat schon lange statt, weil die Menschen in der Heimat keine Zukunft sehen.

Ob Gott damit auch bei uns was vor hat? Ob er will, dass Menschen bei uns Aufnahme finden und dass sie dadurch den lebendigen Gott kennenlernen? Ich denke ja!

Und in der Pandemie? Langsam entdecken wir das eine oder andere Gute auch an der Verlangsamung unseres Lebens.

2. Gott schenkt in der Not wunderbare Erfahrungen.

Bei Noomi waren es die wunderbaren Schwiegertöchter, die mit ihr zusammenhielten in der schweren Zeit. 3 Frauen, die sich gegenseitig verstanden, getröstet und gestützt haben.

Eine Schwiegermutter, die ihre Schwiegertöchter frei gibt – mit einem großen Herz hat sie nicht an sich, sondern an ihre Schwiegertöchter gedacht.

Und dann erlebte Noomi die Aufnahme der Schwiegertochter bei dem fernen Verwandten der Familie, bei Boas. Sie erlebte die Großherzigkeit von Boas. Er erlaubte es, dass Rut für sich und Noomi von den Feldfrüchten sammelte, damit die beiden Frauen versorgt waren.

Noomi erlebt, wie Rut nochmal eine Familie gründet und mit Obed einen wichtigen Stammhalter zur Welt bringt, der der Großvater von David wurde.

Ich hörte von einer psychisch sehr belasteten Familie, die Probleme mit ihren Kindern hatten, die in der Corona-Ruhezeit erlebt haben, wie ihr Familienleben sich ganz positiv entwickelt hat. Die Eltern waren beruflich nicht mehr so angespannt. Sie hatten Zeit für die Kinder. Die Kinder konnten sich entspannen und die Zeit mit den Eltern genießen. Es blieb sogar noch Zeit für die Eltern als persönliche Zeit.

Oder ich denke an die Digitalisierung, mit der wir ja in Deutschland zu kämpfen haben. Viele Länder sind da weiter als wir. Viele von uns werden praktisch gezwungen, sich damit zu beschäftigen. Neue Möglichkeiten tun sich auf. Konferenzen über das Internet, Video-Telefonie. Vor 20 Jahren haben wir noch gelacht: Man müsste sich beim Telefonieren sehen können. Jetzt ist es fast für jeden möglich.

3. Die Lebensverbindung mit Gott ist das Entscheidende.

Noomi hat immer in der Verbindung mit Gott gelebt, auch bei den Moabitern. Sie hat sich informiert, wie es im Land Israel und mit Gott steht. Sie wollte zurück, um besser mit Gott zu leben. Und so war ihr Leben eindeutig und ein Zeugnis für Rut. Sie hat an ihrer Schwiegermutter erlebt, wie ein Mensch mit Gott lebt. Das hat sie überzeugt. Sie wollte auch mit diesem Gott leben. Sie durfte dann viele gute Erfahrungen mit ihm machen, nach viel schweren Erfahrungen vorher.

Ich denke, dass auch für uns das Wichtigste ist, dass wir in der Lebensverbindung mit dem lebendigen Gott leben und bleiben, auch wenn wir durch Schwere Erfahrungen hindurch müssen. Denn am Ende legt Gott auch in die schwerste Erfahrung immer etwas Gutes hinein. Oder er hat einen Plan, der sich am Ende als ganz wunderbar erweist, sodass wir nur staunen können.

Lasst und dem lebendigen Gott vertrauen, jetzt, auch in der schweren Zeit mit Corona!

 

Herzliche Grüße,                   

Ihr Pfarrer Martin Gräßer