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Ev.-Luth Kirchgemeinden Hartenstein und Thierfeld

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Hartenstein, 02.09.21

Wochenbrief  35. Woche  2021

14. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest

 

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Schwestern und Brüder,

Eine gute Gemeinde soll weiterkommen.

Darum geht es Paulus im 1. Thessalonicherbrief. Am Schluss seines Briefes gibt er ganz viele praktische Hinweise dazu. Sie sind Predigttext für den 14.So. n. Trinitatis.

1 Thess 5,14-24:

14 Wir ermahnen euch aber: Weist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann.

15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach, füreinander und für jedermann.

16 Seid allezeit fröhlich,

17 betet ohne Unterlass,

18 seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

19 Den Geist löscht nicht aus.

20 Prophetische Rede verachtet nicht.

21 Prüft aber alles und das Gute behaltet.

22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.

23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus.

24 Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.

 

Die Gemeinde in Thessalonich liegt Paulus sehr am Herzen. Sie ist eine gute Gemeinde. Paulus betet viel für sie, damit sie auf dem Weg des Glaubens bleibt und Gott Ehre macht.

Wenn wir heute den Text lesen, dann kann es sein, dass uns die vielen Ermahnungen wie eine unübersichtliche Last erscheinen.

Ich glaube, so hat es Paulus nicht gemeint. Was Paulus sich wünscht, steht in V. 23+24. Und die einzelnen Ermahnungen sind konkrete Hinweise für den Alltag, damit die Gemeinde durch und durch geheiligt wird. „Geheiligt“ heißt: „wie der Herr, so‘s Gescherr“; also von Gott geprägt, von Gott durchdrungen, in guter Übereinstimmung mit Gott, genauso, wie Gott sie haben will, durch und durch echt, eine Gemeinde, in der Glauben und Leben übereinstimmen.

Ich denke, das liegt auch uns am Herzen in Hartenstein und Thierfeld.

Wir wollen Christen und Gemeinde sein, die echt ist, wo Glauben und Leben übereinstimmen. Dass das gelingt, dass wir „waschechte“ Christen und Gemeinde sind, das schafft allein Gott durch seinen Heiligen Geist. Aber er tut es praktisch. Unser Geist, unsere Seele und unser Leib sind von Gott her einbezogen. Unser ganzer Mensch ist von der „Heiligung“ betroffen. Unser ganzer Mensch soll von Gott durchdrungen sein, in allen Lebensvollzügen. Und deshalb bringt Paulus hier die ganz konkreten Ermahnungen.

Wie werden wir als Christen und wie wird die Gemeinde durch und durch echt im Glauben? Nicht etwa nur in Glaubensgedanken, sondern im praktischen Lebensvollzug.

1. Durch gelebte Seelsorge:

Gott will, dass die Gemeindeglieder einander seelsorgerlich begegnen.

Bei den „Nachlässigen“ hat Paulus, wie er in 2 Thess 3,11+12 schreibt, Gemeindeleute im Blick, die mit frommen Reden in der Gemeinde unterwegs sind, die sich versorgen lassen, obwohl sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen könnten. Sie sollen ermutigt werden, selbst für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen und nicht der Gemeinde oder anderen Christen auf der Tasche liegen. Nicht vor der Gemeinde, sondern im persönlichen seelsorgerlichen Gespräch.

Die „Kleinmütigen“ sind Leute, die von sich immer klein denken, die sich wenig zutrauen, die wenig mutig sind. Sie sollen Verständnis finden in der Gemeinde. Sie brauchen Trost in Wort und im persönlichen Beistand und sie sollen ermutigt werden, durch mutmachenden Zuspruch der Glaubensgeschwister.

Auch „Schwache“ gibt es in einer Gemeinde. Nicht nur körperlich Schwache, sondern auch Leute, denen das Leben fast zu schwer ist, die sich zu schwach fühlen für den Alltag. (Ich muss hier an Depressionen denken.) Dass sie mitgetragen werden und dass für sie gebetet wird und dass sie fest dazugehören dürfen, ohne dass über sie getuschelt wird, darum geht es.

2. Durch gegenseitige Annahme:

Dazu ist es zuerst wichtig, dass wir erkennen, dass jeder andere Mensch anders ist, als ich selbst. Und er darf so sein. Er muss nicht genauso werden, wie ich es schon bin. Für uns ist es die Herausforderung, den anderen wirklich, so anders, wie er ist, anzunehmen und ihn nicht erst umzukrempeln. Denn Gott hat ja unsere Verschiedenheit von Anfang an gewollt. Aber für uns ist das immer wieder eine Schwierigkeit. Die Geduld mit dem anderen Menschen, die müssen wir uns immer wieder bei Jesus erbitten.

Und wie gehen wir mit den Geschwistern um, mit denen wir in der Gemeinde nicht so zurecht kommen, weil sie uns vielleicht verletzt haben, oder weil sie uns schon hintenrum schlechtgemacht haben? Böses mit Bösem zu vergelten, das liegt uns allen nahe. Aber Gott zeigt uns einen anderen Weg: das Böse mit Gutem überwinden, wie er es auch noch in Römer 12,21 schreibt. Das ist herausfordernd und anstrengend. Paulus weiß aus das eigener Erfahrung. Aber nur so kann der Teufelskreis des Bösen überwunden werden. Einem Fluch, schlechten Wünschen, Missgunst und Hass dürfen wir als Christen mit einem Segenswunsch begegnen. Denn Gott will auch die unmöglichsten Menschen segnen und ihnen Gutes tun. Und wir sollen/dürfen den Segen von Gott her über ihnen aussprechen. Dieses Tun verändert uns und prägt uns durch und durch.

3. Durch die lebendige Verbindung mit Jesus im Alltag: (V. 16-18)

Unsere Kraftquelle ist die gelebte Verbindung mit Jesus im Gebet. Und wenn wir oft beten mitten in unserem Alltag, dann kommt vor Gott ja unser ganzer Alltag zur Sprache. Wir danken Gott für all seine Hilfe im Alltag, z.B. wenn der verlegte Schlüssel wiedergefunden wurde, oder wenn wir eine freundliche Begegnung erleben durften. Aber auch aller Ärger kommt vor Gott zur Sprache. Und hier gehört er hin. Denn da richtet unser Ärger keinen Schaden an, anders, als wenn ich meinem Ärger sofort anderen Menschen gegenüber Luft mache.

Ich denke, dass wir in der gelebten Gebetsverbindung mit Jesus ein positives Lebensgefühl erleben können. Paulus jedenfalls hat es für sich so erfahren. Er wurde ja oft bitter verfolgt, geschlagen, gesteinigt und ins Gefängnis geworfen. Und trotzdem konnte an die Christen in Philippi schreiben: „Freuet euch im Herrn allewege und abermals sage ich: freuet euch!“

Auch wir dürfen unseren ganzen Alltag in der Dauergebetsverbindung mit Jesus verbringen. So erleben wir, dass wir viel zu danken haben. Und auch das prägt uns durch und durch.

4. Durch die Aufmerksamkeit für das direkte Wirken Gottes:

Durch seinen Heiligen Geist wirkt Gott in und an uns und in seiner Gemeinde. Aber wir sind oft viel zu beschäftigt, oder zu abgelenkt oder selbst zu laut, um das Wirken Gottes zu bemerken. Er redet oft leise und behutsam durch das Wort der Bibel. Wir können das Feuer des Heiligen Geistes löschen, durch Kleinglauben, durch Bedenken, durch Unbeweglichkeit nach dem Motto: „Das war schon immer so! Warum sollen wir was anderes machen?“

Ähnlich wie im AT die Propheten, so gibt es auch in der Gemeinde Menschen, die die Sichtweise Gottes für eine Situation empfangen. Sie merken, was für einen Menschen oder in der Gemeinde von Gott her dran ist und können das auch ausdrücken.

Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn es können sich leicht menschliche Gedanken und menschliche Eitelkeit mit darunter mischen. Hier hat die Macht des Bösen ihr Einfallstor. Deshalb muss alles an der Bibel gemessen werden, ob es mit dem Wort Gottes in der Bibel zusammenpasst/übereinstimmt. Nur so können wir erkennen, ob die geäußerten Gedanken wirklich von Gott kommen, oder ob sie Verwirrung stiften sollen im Auftrag des Durcheinanderbringers, des Bösen.

Wir erkennen durch dieses Wort Gottes, was Gott mit uns persönlich und für unsere Gemeinde vorhat: ER will uns immer echter werden lassen. Wenn wir unseren Alltag in der Lebensverbindung mit IHM leben, dann gestaltet ER uns durch die einzelnen Situationen so um, dass wir nach und nach immer klarer und echter als SEINE Kinder und als SEINE Gemeinde zu erkennen sind. - Eben durch und durch von Gott geprägt.

 

Herzliche Grüße,

Ihr/Euer Pfarrer Martin Gräßer