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Ev.-Luth Kirchgemeinden Hartenstein und Thierfeld

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Hartenstein, 30.03.21

Wochenbrief  14. Woche  2021

Sonntag „Miserikordias Domini“ (= die Barmherzigkeit des Herrn) oder Der gute Hirte

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Schwestern und Brüder,

der Predigttext für den 18. April wird manche vielleicht jubeln lassen: „Endlich mal ein Wort von Gott gegen die Herrschenden.“ Der Prophet Hesekiel schreibt in Hesekiel 34,1+2+10-16+31:

1 Und des HERRN Wort geschah zu mir:

2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? ...

10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.

11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.

12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war.

13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande.

14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels.

15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR.

16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten;

ich will sie weiden, wie es recht ist. ...

31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

 

1. Menschliche Leitung in der Kritik Gottes:

Der Prophet Hesekiel ist mit seinem Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft. Weil die Könige und die Priester in Israel sich von Gott abgewendet hatten, und das Volk unterdrückten, war es so weit gekommen. Doch nun spricht Gott auch in Babylonien die „Oberen“ in Israel an. Hatten sie sich wieder mit den Herrschenden in Babylonien verbunden? In einer babylonischen Liste der damaligen Zeit, finden sich jüdische Namen unter den Namen von einflussreichen Persönlichkeiten in Babylonien.

War es wieder so weit gekommen, dass die Leiter der jüdischen Volksgruppe nur ihren eigenen Vorteil im Blick hatten, und dass sie die Menschen ausbeuteten und unterdrückten? Leider ja!

Viele haben heute auch den Eindruck, dass Politiker, aber auch Leitende in der Wirtschaft und sogar in der Kirche mehr an ihr eigenes Wohl denken, als an die Fürsorge, für die ihnen anvertrauten Menschen.

Wie oft schimpfen wir auf „die da Oben“, weil wir uns vernachlässigt oder ungerecht behandelt fühlen. Da tut die Kritik Gottes mal so richtig gut.

Aber zugleich merke ich, dass ich ja auch ein Leiter bin: Der Gemeindeleiter. Und neben mir gibt es weitere: die Kirchvorsteher, die Kreisleiter. Auch in der Familie gibt es Leitung: die Eltern, aber auch die großen Geschwister, denen die Kleinen ja alles nach machen. Und es gibt noch viel mehr Leitungs-“ämter“ in unserem Lebensalltag.

Hesekiel gebraucht in Kap. 23 auch das Bild von einer Herde, wo ein Tier das andere vom Futter oder der Wasserstelle wegdrängt (V 17-22).

Hesekiel spricht an: wie wir miteinander umgehen. Inwieweit suchen wir mehr unseren eigenen Vorteil, als dass wir an das Wohl des anderen denken? Das betrifft „die da oben“ genauso wie jeden von uns.

Als Reaktion auf Gottes Kritik müssen wir

  1. selbst immer wieder umkehren und unsere Mitmenschen neu in den Blick nehmen;
  2. müssen wir auch bei den Leitenden einfordern, dass sie ihre Leitungsfunktion als Dienst zum Wohl der Menschen ausführen und nicht als eine Quelle für Macht oder zur Selbstbereicherung betrachten. Dabei haben wir Gott im Rücken! (Bitte sachlich und persönlich)

 

2. Gott liebt sein Volk und die Gemeinde

Dass Gott so mit den Leitenden ins Gericht geht, zeigt, dass Gott die Menschen seines Volkes sehr liebt. Er hat sich dieses Volk ja erwählt. Die Menschen liegen ihm am Herzen. Er kennt jeden Einzelnen. Israel ist sein Volk, sein Eigentum. Und deshalb kümmert er sich darum, dass es seinem Volk gut geht. So, wie ein Hirte um das Wohl seiner Tiere besorgt ist, so sorgt sich Gott um das Wohl seines ganzen Volkes, jedes Einzelnen.

Das Gleiche gilt auch für alle Menschen. Jeder Einzelne ist von Gott geschaffen und geliebt. Und es bricht Gott das Herz, wenn wir Menschen auf Kosten anderer leben. Das geschieht ja in fast allen Bereichen in dieser Welt. Mal sind wir die, die dadurch gut leben und mal sind wir die, die ausgebeutet werden. Deshalb hat Gott Jesus gesandt, den guten Hirten, der seine geliebten Menschen ganz und gar zu Gottes Kindern macht. Denn durch Jesus gehören wir Menschen zur Gemeinde, zum neuen Volk Gottes, das Gott liebt, und für das er sorgen will, wie für sein Volk Israel.

 

3. Gott handelt selbst - für sein Volk und für die Gemeinde

Weil die Oberen des Volkes versagt haben, übernimmt Gott selbst die Führung. Er setzt die Oberen ab und greift in die Geschichte ein und lenkt den Weg seines Volkes.

Das hat Israel schon 3 Mal erlebt:

  1. beim Auszug aus Ägypten
  2. mit dem Ende der babylonischen Gefangenschaft durften die Juden wieder nach Israel. Dort durften sie den Staat und den Tempel wieder aufbauen.
  3. 1948 nach fast 2000 Jahren Zerstreuung in der ganzen Welt (von 70 n.Chr. bis 1948) durften die Juden wieder in Israel ihr Land aufbauen (V. 13). Damit, dass es grünt und blüht in dem Wüstenland Israel, hat Gott seine Zusage (V.14-16) zum 2. Mal wahr gemacht.

Mit Jesus hat Gott sich nochmal speziell für alle Menschen eingesetzt. Mit Jesus ist Gott als der gute Hirte gekommen, um alle Menschen zu suchen und zu Gottes Kindern zu machen. Wer sich von Jesus finden lässt, der gehört zur Gemeinde. Auf diese Weise kümmert Gott sich ganz persönlich, durch seinen Sohn Jesus, um jeden einzelnen Menschen.

(Daneben handelt Gott immer wieder auch ganz konkret in der Geschichte, wie wir es mit der Wende 1989 als großes Gottesgeschenk erleben durften.)

 

4. Was Gott wichtig ist, bei SEINER Leitung, das ist die Grundlage für alle guten Leiter heute

  1. Verlorene und verirrte Menschen suchen (V.11) Das können Menschen sein, die auf der Suche nach ihrer Identität und nach dem Sinn des Lebens sind. Oder es sind Menschen, die sich verirrt haben in den verschiedenen religiösen Angeboten unserer Zeit. Sie aufspüren und in die Gegenwart Gottes bringen.
  2. Zerstreute Menschen sammeln (V. 12-13) Viele Menschen ziehen sich zurück, weil sie vielleicht schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht haben. In unserer Gesellschaft macht jeder Sein‘s. Jeder will sich selbst verwirklichen. Wir fördern die Gemeinschaft untereinander trotz aller Verschiedenheit.
  3. Begleitung (V.13+14) auf dem Weg. Achtsam und behutsam werden Menschen begleitet, damit sie auf ihre besondere Weise die Begegnung mit Gott finden.
  4. Gott versorgt. Wir schauen, was Menschen brauchen, damit sie auf dem Weg mit Gott vorankommen. Wir versuchen sie mit dem Nötigen auszustatten.
  5. Gott heilt (V.16) Wir kümmern uns um äußere und innere Verletzungen, die Menschen auf ihrem Weg erlitten haben. Wir verbinden ihre Wunden. Heilung schenkt allein Gott.
  6. Gott rettet (V.10+12) Wir lassen es uns was kosten, dass Menschen für Gott gewonnen werden. (Jesus hat sein Leben eingesetzt.) Was sind wir bereit, zu investieren?
  7. Gott fördert, was stark ist (V.16) Wir akzeptieren starke Persönlichkeiten, Menschen mit guten Fähigkeiten, auch wenn sie unsere Möglichkeiten weit übersteigen. Wir fördern sie, dass sie ihre Stärke in Gottes Reich einsetzen können.
  8. Gott hat ein Ziel (V.13) Dass wir Menschen in der Lebensverbindung mit Gott leben durch Jesus, jetzt und in der Ewigkeit. Dieses Ziel müssen wir ansteuern, wenn wir Menschen in Gottes Sinn leiten.

 

Herzliche Grüße,                                          

Ihr/Euer Pfarrer Martin Gräßer